Frau Niederkammer hat es am liebsten von hinten. Frau Niederkammer hat es am liebsten, wenn Herr Jankowitsch es ihr von hinten macht. Zumindest sagt sie das. Sie sagt, Herr Jankowitsch sei besser als Herr Meier, Herr Solinger und Herr Steiger. Das sagt sie zu Herr Jankowitsch und ich weiß, er glaubt ihr - ich tue es. Denn ich sehe es. Ich sehe wie Frau Niederkammer die Tür öffnet, wie sie die Lippen öffnet, wie sie die Augen öffnet. Herr Jankowitsch kommt dienstags. Dienstags sind ihre Augen am weitesten geöffnet.
Kunststück
Donnerstag, 3. Februar 2011
Wir (ein Dogma)
Wir verlassen die Kneipe. Es ist warm, die Sonne geht auf und wir haben viel Wein intus. Kai sagt, er will uns ein neues Lied vorspielen. Kai schreibt jeden Tag ein neues Lied, das so klingt wie alle anderen vor ihm. Das denke ich, aber ich sage es nicht. Hinter mir gehen Susanne und Peter. Susanne sagt: „Vielleicht ist er einfach nur ein Arschloch“ und dann lachen sie. Susannes Lachen klingt wie ein Helikopter, aber das sage ich natürlich auch nicht.
Nicht allein
Mehrmals am Tag stellt sie sich diese Frage: Wie viele Menschen in der Stadt machen wohl gerade das Gleiche wie ich? Morgens, wenn sie aufwacht – an Wochentagen meist gegen 8 Uhr – streckt sie sich im Bett und wackelt mit den Zehen. „Wie viele andere Menschen wackeln jetzt auch mit den Zehen?“, fragt sie sich. Und wie sehen diese Zehen aus? Wie viele sind jung, klein und rosig, wie viele runzlig mit eingewachsenen Nägeln? Und: wenn sie alle nebeneinander lägen, wie lang wäre dann die Reihe, deren Bewegung wie eine Welle aussähe, eine schöne sanfte Welle am Horizont?
Dienstag, 1. Februar 2011
Donnerstag, 13. Januar 2011
Montag, 3. Januar 2011
Sonntag, 2. Januar 2011
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